Förderschulen in Sachsen-Anhalt

Neues im Schuljahr

Rahmenrichtlinien für Förderschulen 

An Förderschulen lernen Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter mit körperlichen, geistigen oder seelischen Besonderheiten, die im Bildungs- und Erziehungsprozess Unterstützung oder Hilfe benötigen und diese nicht in ausreichendem Umfang an den allgemeinen Schulen vorgehalten werden kann. Um die erforderlichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lernen zu erkennen, ist über ein sonderpädagogisches Feststellungsverfahren festzustellen, wie umfangreich der Förderbedarf ist, welche pädagogischen, personellen, räumlichen, sächlichen und finanziellen Bedingungen vorgehalten werden sollten. Die Feststellung des Förderbedarfs kann durch die Erziehungsberechtigten oder durch die Lehrkräfte der Schulen beantragt werden. Die rechtliche Grundlage für das Feststellen des individuellen Förderbedarfs sind das Schulgesetz Sachsen-Anhalts und die Verordnung über die sonderpädagogische Förderung. Die Ergebnisse der Ermittlung des individuellen Förderbedarfs werden in einem sonderpädagogischen Gutachten dargestellt.

Der Besuch einer Förderschule orientiert sich am festgestellten sonderpädagogischen Förderschwerpunkt. Eine Aufnahme an eine Förderschule kann bis zum sechsten Schulbesuchsjahr erfolgen. Die Klassenfrequenzen sind entsprechend der Förderschwerpunkte unterschiedlich, ebenso die Ausstattung, die Stundentafeln, das didaktisch-methodische Vorgehen, der Tagesrhythmus sowie die Angebote in der sonderpädagogischen Schwerpunktgestaltung.

 

Arten von Förderschulen

Schülerinnen und Schüler mit einem festgestellten Förderbedarf im Lernen besuchen eine Förderschule für Lernbehinderte . Für diese Förderschule gelten eigene Rahmenrichtlinien. Sie umfasst die Schuljahrgänge 1 bis 9 und schließt in der Regel mit dem Abschluss der Förderschule für Lernbehinderte ab. Jugendliche mit sehr guten Leistungen im neunten Schuljahrgang können den Besuch einer freiwilligen 10. Klasse beantragen, um nach dem erfolgreichen Besuch dieser Schulform den Hauptschulabschluss zu erwerben.

An der Förderschule für Geistigbehinderte lernen Schülerinnen und Schüler mit einem Förderbedarf in der geistigen Entwicklung oder Schülerinnen und Schüler, die einer sehr umfangreichen personellen Zuwendung bedürfen, die ihnen nur an dieser Schulform im erforderlichen Umfang zuteil werden kann. Die Förderschule für Geistigbehinderte arbeitet auf der Grundlage des Lehrplans für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sowie auf der Grundlage von Individualplänen. Der Schulbesuch endet in der Regel nach zwölf Schulbesuchsjahren mit der Vollendung des 18. Lebensjahres.

Die Förderschulen für Sprachentwicklung und Förderschulen mit Ausgleichsklassen werden von Schülerinnen und Schülern besucht, die einen sonderpädagogischen Förderbedarf in der Sprache bzw. in der emotionalen und sozialen Entwicklung haben. In beiden Förderschulen wird i. d. R. nach den Lehrplänen der Grundschule und den Rahmenrichtlinien der Sekundarschule gearbeitet. Diese bilden die Grundlage für die individuellen Förder- und Entwicklungspläne sowie für den schuleigenen Lehrplan. Ziel der Förderung an den Förderschulen für Sprachentwicklung und Förderschulen mit Ausgleichsklassen ist die Reintegration in die Lernverbände der allgemeinen Schulen. Das bedeutet, dass sich diese Förderschulen als sogenannte Durchgangsschulen verstehen. Die Schülerinnen und Schüler an der Förderschule für Sprachentwicklung sollten in der Regel nach dem Besuch der Primarstufe (Schuljahrgänge 1 bis 4) in die allgemeine Schule zurückgeführt werden. Nur wenige Schülerinnen und Schüler verbleiben noch in den Schuljahrgängen 5 und 6 an der Förderschule für Sprachentwicklung. Demzufolge werden an der Förderschule für Sprachentwicklung keine schulischen Abschlüsse erworben. An der Förderschule mit Ausgleichsklassen hingegen sind schulische Abschlüsse grundsätzlich möglich, wenngleich auch hier auf eine Reintegration nach dem 6. Schuljahr orientiert wird und ein Verbleib in den weiterführenden Schuljahrgängen nur in besonderen Einzelfällen sein sollte.

An den Förderschulen für Körperbehinderte lernen Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf in der körperlichen und motorischen Entwicklung. Die Aufnahme an einer Förderschule für Gehörlose und Hörgeschädigte setzt einen festgestellten Förderbedarf im Hören voraus, die Aufnahme an der Förderschule für Blinde und Sehgeschädigte einen Förderbedarf im Sehen. Alle drei Förderschulformen unterbreiten ihren Unterricht nach den Lehrplänen der Grundschule oder den Rahmenrichtlinien der Sekundarschule sowie der Förderschule für Lernbehinderte. Art, Umfang und Schweregrad des sonderpädagogischen Förderbedarfs jeder einzelnen Schülerin/jedes einzelnen Schülers bestimmen wesentlich den angestrebten schulischen Abschluss. An den benannten drei Förderschulformen werden die Schuljahrgänge 1 bis 10 vorgehalten. Wollen einzelne Schülerinnen und Schüler das Abitur erwerben, kann dies in Formen des gemeinsamen Unterrichts erfolgen oder durch einen Schulwechsel an eine Förderschule in einem anderen Bundesland.

 

Sonderpädagogische Förderung im gemeinsamen Unterricht

Schülerinnen und Schüler mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf können mit Schülerinnen und Schülern ohne sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam unterrichtet werden, wenn am Lernort der allgemeinen Schule die erforderlichen Bedingungen vorgehalten werden können. Gemeinsamer Unterricht bedeutet, dass eine sonderpädagogische Begleitung durch Lehrkräfte aus Förderschulen zwingend zu organisieren ist. Durch die sonderpädagogische Begleitung sollen individuelle Förderung, Beratung und Unterstützung am Lernort abgestimmt und gesichert werden. Voraussetzung für den gemeinsamen Unterricht ist die Antragstellung seitens der Erziehungsberechtigten und eine Entscheidungsempfehlung durch eine Fachkommission, um die individuellen Voraussetzungen und die objektiven Möglichkeiten genau abzuklären.

Für Schülerinnen und Schüler mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf im Lernen oder in der geistigen Entwicklung gelten auch im gemeinsamen Unterricht die Festlegungen der entsprechenden Förderschulform.

 

Sonderpädagogische Förderung über Förderzentren

Es ist nach regionalen und überregionalen Förderzentren zu unterscheiden.

Regionale Förderzentren bilden sich durch das verbindliche Kooperieren von Förderschulen und allgemeinen Schulen in einem festgelegten Planungsbereich in Abstimmung mit den Schulträgern. Zentraler Ansprechpartner von regionalen Förderzentren ist stets eine Förderschule, die als Basisförderschule die Moderation und Zusammenarbeit der einbezogenen Schulen bzw. Schulleitungen übernimmt bzw. organisiert. Durch regionale Förderzentren soll insbesondere die individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen qualifiziert und wohnortnäher organisiert werden.

Neben der unterrichtsimmanenten Förderung in den kooperierenden Schulen halten Förderzentren ambulante und mobile Angebote zur Förderung vor. Ambulante Förderangebote sind zum Beispiel Kursangebote an der Förderschule oder an den mit der Förderschule kooperierenden Grund- und Sekundarschulen für Schülerinnen und Schüler mit kurzfristigen oder besonderen Förderbedarfslagen. Durch die Kursangebote, wie zum Beispiel ein Lesetraining oder eine Wahrnehmungsschulung, soll den Schülerinnen und Schülern das Weiterlernen erleichtert werden oder aber ein entstandener Nachholbedarf überwunden, ein Lernproblem gelöst werden. Mobile Angebote sind insbesondere Beratungsgespräche aber auch pädagogische Diagnostik, um die auftretenden Probleme im Lernprozess abzuklären, ungünstige Lernausgangslagen frühzeitig zu erkennen und zeitnah die erforderlichen Lernbedingungen zu analysieren.

Überregionale Förderzentren arbeiten mit den regionalen Förderzentren zusammen. Sie unterbreiten neben der schulischen Förderung an der/den Förderschule(n) insbesondere ambulante und mobile Angebote zur Förderung in den Förderschwerpunkten Hören, Sehen, körperliche und motorische Entwicklung, mitunter auch in den Förderschwerpunkten Sprache und emotionale/soziale Entwicklung.

Für die Inhalte verantwortlich: 2016 - Ministerium für Bildung, Referat 23

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